BVB-Etat: Hat Uli Hoeneß recht?

Hat Uli Hoeneß recht?Anstatt Dortmund zum Sieg gegen die Bayern zu gratulieren, wetterte FCB-Boss Uli Hoeneß in in Richtung BVB-Boss Watzke: „Der braucht keine Märchen von 45 Millionen Euro Personalkosten zu erzählen“, so  Hoeneß in der Sendung Sky 90. Da die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA an der Börse gehandelt wird, kann man das doch nachlesen?

Denn Borussia Dortmund, beziehungsweise die Borussia Dortmund KGaA, wird an der Börse gehandelt und schaltete zudem eine Webseite mit Namen borussia-aktie.de, via der man sich über das Börsengeschehen beim BVB informieren kann. Erste Erkenntnis: Die BVB-Aktie liegt irgendwo im Bereich von 2,50 Euro. Das ist nicht wirklich viel, behaupte ich als Laie: Die Sky-Aktie liegt bei mehr als 6,50 Euro, die Telekom-Aktie bei etwas mehr als 8,50 Euro und Aktien von MAN oder SAP befinden sich weit darüber.

Kennzahlen, Kennzahlen

Was allerdings für den Finanz-interessierten Fußball-Fan viel interessanter ist, nennt sich auf der Webseite Kennzahlen – als gelernter Industriekaufmann fällt mir direkt das Wort Publizitätspflicht wieder ein. Borussia Dortmund ist als KGaA verpflichtet, die Geschäftszahlen in Form von Geschäftsberichten öffentlich zugänglich zu machen – und kommt dem natürlich auch nach. Die Zahlen beziehen sich immer auf den Zeitraum eines Geschäftsjahres, im konkreten Fall auf den etwaigen Zeitraum einer Saison – vom 01.07.2010 – 01.07.2011 – also der BVB-Europa-League-Spielzeit, an deren Ende die Westfalen Meister wurden.

Die Personalaufwendungen für diese Zeit sind schnell ausgemacht und betrugen rund 61,5 Millionen Euro – allerdings wohl eher für Mitarbeiter des gesamten Vereins, als denn nur für den Kader der Profimannschaft. Laut Financial Times Deutschland arbeiteten bis zu diesem Zeitpunkt eakt 362 Mitarbeiter für Borussia Dortmund – macht Personalkosten von gerundeten 170.000 Euro pro Mitarbeiter. Darunter fallen demnach auch damalige Spitzenverdiener wie Nuri Sahin, der alleine rund 2 Millionen Euro im Jahr verdient haben soll -> was den Kosten von fast zwölf Mitarbeitern entspräche… Rechnen wir mal weiter.

Wenn man aus den Personalkosten von 65 Millionen Euro mal die 35 Millionen Euro herauszieht, die als Gehalts-Etat für den Lizenzspielerbereich in der Saison 201/2011 vorgesehen waren, sieht die Welt anders aus. Subtrahiert werden zudem vermutlich knapp 40 Mitarbeiter, die ich jetzt mal dem Mitarbeiter-Stamm einer Profimannschaft zuordne. Den „Rest“ von 30 Millionen Euro verteilt auf 320 Mitarbeiter macht 93.750 Euro je Person je Jahr. Ein toller Durchschnittslohn, bewegt sich aber im Rahmen des möglichen Verdiensts bei einem Bundesliga-Verein – ich meine, wer in welcher Position dann  tatsächlich wieviel verdient, geht uns alle nichts an.

Dann gibt es noch: den Halbjahresbericht

Sei es drum: Gewissermaßen für die erste Saisonhälfte der laufenden Spielzeit liegt nämlich bereits der Halbjahresbericht (01.07.2012 – 31.12.2012) vor. Fassen wir uns kurz: Der BVB gibt im Bericht Personalaufwendungen in Höhe von fast 34 Millionen Euro an. Einfach gerechnet entstünden damit aufs Jahr gesehen Personalkosten von rund 68 Millionen Euro – also etwas mehr als die Summe, die vom BVB als Mehraufwendungen angekündigt wurden. Die Championsleauge(-Vorrunde) kostetet schließlich Geld. Und warum sollte ein Deutscher Meister nicht mehr Geld ausgeben dürfen, immerhin wurden Spieler wie Hummels oder zuletzt Götze und auch Trainer Klopp langfristig an den Verein gebunden – was seinen Preis hat.

Ergo: Da der BVB weitere Vertragsverlängerungen verkündete, ist im Geschäftsbericht 2011/2012 sicherlich von  steigenden Personalaufwendungen die Rede. Watzke spricht „wieder“ von 5 Millionen Euro, was Uli Hoeneß auf die Palme bringt. Diese Mehrausgaben werden mit der erneuten Teilnahme an der Championsleague (samt der Mehreinnahmen) gerechtfertigt. Und die Aktionäre sind sicherlich soweit zufrieden.

Wo Welten aufeinanderprallen

Doch gerade weil Borussia Dortmund, vor ein paar Jahren noch fast pleite, aufgrund von Entscheidungen aus der jüngeren Vergangenheit zum Sparen gezwungen war, entwickelte sich dort eine ganz andere Erfolgsphilosophie als beim FC Bayern – dem wohl reichsten Verein des Landes, wenn nicht Europas. Denn wo der BVB auf junge Talente setzen musste, konnte/kann man beim FC Bayern fertige Spieler, die sogenannten Superstars,  für viele Millionen Euro einkaufen, die vermutlich entsprechend hohe Gehaltsansprüche mitbringen. Soll heißen: Es ist zunächst einfacher, einen fertigen Mario Götze zu verpflichten, als ihn aufzubauen. Das merkt der BVB nun selbst in Form des Reus-Transfers – ein Spieler, den auch der FC Bayern auf dem Zettel hatte.

Verstecken geht nicht!

Unter dem Strich soll an dieser Stelle gar nicht die komplette Bilanz des BVB zerpflückt werde (das kann ich auch gar nicht), vielmehr ist dies der Versuch aufzuzeigen, dass Borussia Dortmund als KgaA eigentlich gar nicht viel verbergen kann – Publizitätspflicht. Und ich bin mir sicher: Nicht nur Uli Hoeneß, selbst BVB-Aktionär, wartet schon mit Spannung auf den nächsten Geschäftsbericht.

Nachtrag: Ich bin weder Börsenspekulant noch Investmentbanker. Meine letzte Bilanzanalyse habe ich vor ca. 7 Jahren in der Berufsschule gemacht. Und doch wollte ich einfach mal schauen, welche Zahlen sich der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA samt Webseite entlocken lassen.

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2 Responses to “BVB-Etat: Hat Uli Hoeneß recht?”

  1. […] Gewinnrückgang erklärt der BVB vor allem “durch die im Zuge der vollständigen Ablösung sämtlicher Kreditverpflichtungen […]

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